Neue Wege in der Inklusion – Paddeln für alle
In „Neue Wege“ beschreibt Frauke Weiler, wie sich aus einem kleinen inklusiven Paddelprojekt des WSV Sinzig ein wachsendes Netzwerk für inklusiven und sicheren Kanusport entwickelt hat.
Im Mittelpunkt steht eine Lernreise: vom engagierten Ausprobieren mit wenig Erfahrung hin zu qualifizierter, international vernetzter Arbeit.
Die wichtigsten Learnings
- Inklusion ist eine Haltung, kein fertiges Konzept. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern die Frage: Was möchte und kann die Person – und welche Unterstützung benötigt sie?
- Menschen mit Behinderung sind Expert*innen für sich selbst. Entscheidungen sollen nicht für sie, sondern gemeinsam mit ihnen getroffen werden.
- Das Angebot muss sich dem Menschen anpassen. Material, Methoden, Umgebung und Unterstützung werden individuell verändert – nicht umgekehrt.
- Sicherheit bedeutet nicht, jedes Risiko auszuschließen. Sie beginnt lange vor einer möglichen Kenterung: mit guter Wahrnehmung, Kommunikation, Materialkenntnis, realistischen Einschätzungen und verantwortungsvollen Entscheidungen.
- Herausforderungen gehören zur Entwicklung. Menschen mit Behinderung benötigen nicht automatisch einen Schonraum. Sie sollen selbst entscheiden können, welche Erfahrungen, Risiken und Lernschritte sie eingehen möchten.
- Trainerinnen und Sportlerinnen bringen unterschiedliches Wissen ein. Die einen kennen Sport, Material und Sicherheit; die anderen ihren eigenen Körper, ihre Bedürfnisse und Grenzen. Gute Entscheidungen entstehen erst aus beidem.
- Flexible Anpassungen fördern Selbstständigkeit. Bei Equal Adventure in Schottland lernte das Team modulare Hilfsmittel sowie personenzentriertes Coaching und inklusive Rettungstechniken kennen.
- Lernen erfolgt durch Ausprobieren und Anpassen. Das Leitmotiv lautet sinngemäß: ausprobieren, Fehler erkennen, reflektieren, verändern und erneut versuchen.
- Vernetzung ist wesentlich. Aus dem Projekt WASSAHR, Fortbildungen und der Instruktor-Ausbildung entstand das Netzwerk „Paddeln für Alle“. Hersteller, Vereine, Trainerinnen und Sportlerinnen sollen Wissen und Erfahrungen gemeinsam weiterentwickeln.
- Wissen soll weitergegeben werden. Die Erkenntnisse aus Schottland fließen in die Ausbildung zum „Instruktor inklusiver Paddelsport“, in die Sicherheitsarbeit und in das Netzwerk ein.
Raus aus der Inklusions-Bubble!
Menschen sollten nicht durch von außen gesetzte Grenzen eingeschränkt werden, sondern die passende Unterstützung erhalten, um ihre eigenen Möglichkeiten zu entdecken und ihre Komfortzone selbstbestimmt zu erweitern.
Fraukes Text ist zugleich Erfahrungsbericht, Plädoyer und Einladung. Sie wirbt für einen inklusiven Kanusport, der Teilhabe, Selbstbestimmung, fachliche Sicherheit, Mut zum Ausprobieren und gemeinsames Lernen miteinander verbindet.
Über Frauke Weller
Frauke Weller: „Paddeln für alle“ – aus Überzeugung und aus eigener Erfahrung. Als behinderte Paddlerin kennt sie die Herausforderungen, aber vor allem die Chancen echter Teilhabe im Kanusport.
Waren es die 20 Jahren Berufserfahrung als Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin in der Kinder- und Jugend-, Familienhilfe mit Schwerpunkt Inklusion? Die Verbindung von Erlebnispädagogik mit praktischer Erfahrung auf dem Wasser? Wasser kann mehr…besonders wenn man das liebt, was man tut.
Eine besondere Entwicklung kam durch das inklusive Projekt „Wassahr positiv erfahren“. Seit fast fünf Jahren arbeitet das Projektteam sowie des WSV Sinzig, mit fachlich starken und hoch engagierten ehrenamtlichen Team: Menschen, die von der Flut oder ihren Folgen betroffen sind wieder Freude auf, am oder im Wasser zu ermöglichen. Gemeinsam schaffen sie sichere Räume, in denen Menschen Vertrauen gewinnen und über sich hinauswachsen können.
Für sie gilt: Inklusion braucht Sicherheit – und Sicherheit ermöglicht Teilhabe. Ihr Ziel ist es, zu zeigen, dass Kanusport für alle da ist.